Bipolare Störung – Meine Geschichte

Bipolare Störung – Meine Geschichte

Vorweg: Es fällt mir schwer, über die krassen Phasen der Depression & über den Beginn meines Wegs der Heilung zu sprechen, da das ganze sich für mich nicht mehr real anfühlt und ich vieles wahrscheinlich auch verdrängt habe. Trotzdem möchte ich mit diesem Beitrag anderen Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind und ihnen Mut machen, dass es einen Weg raus aus dem Kreislauf gibt.

Was ist eine bipolare Störung?

“Eine Bipolare Störung ist eine schwere psychische Erkrankung. Menschen, die darunter leiden, erleben ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Zeitweise fühlen sich die Betroffenen sehr niedergeschlagen, dann wiederum sind sie euphorisch, aufgedreht, hyperaktiv und überschätzen sich.” ( https://www.netdoktor.de/krankheiten/bipolare-stoerung/ )

So oder so ähnlich wird die bipolare affektive Störung (BAS) im Internet beschrieben. In diesem Blogartikel möchte ich meine Erfahrungen mit der BAS teilen & wie ich mittlerweile damit umgehe.

Mir wurde die bipolare Störung als Fehlschaltung im Gehirn erklärt, die Botenstoffe im Gehirn, die die Emotionen regeln, sind also etwas schwächer als bei anderen, wodurch meine Emotionen jeweils stärker ausgeprägt sind.

Bitte beachte: Ich habe keine medizinische Ausbildung im Fach Psychologie und teile hier nur meine persönlichen Erfahrungen. Wenn ich Empfehlungen ausspreche, dann weil mir diese Dinge geholfen haben. Solltest du unter psychischen Problemen leiden, dann empfehle ich dir, mit jemandem darüber zu sprechen & am besten einen Experten zu Rate zu ziehen. Wenn du niemanden hast, mit dem du sprechen kannst, kannst du dich gerne über kontakt@franzi-sophie.de oder über Instagram @_franzisophie an mich wenden.

Irgendetwas stimmt mit mir nicht

Schon als Kind war ich immer irgendwie “anders”, doch bevor es in der Schule mit Mobbing etc. losging, fand ich das nicht sonderlich schlimm, Klar, manchmal haben meine Eltern mit mir geschimpft, weil ich zu viel herumgealbert bin, aber ich habe das immer damit begründet, dass Erwachsene ja keinen Spaß mehr verstehen.

In der Schule ließ ich mich immer leicht ablenken & konnte mich nur schwer konzentrieren. Das lag zum einen daran, dass mir die Schule, vor allem in der Grundschule, viel zu einfach war & ich deswegen kein Interesse hatte, zuzuhören. Irgendwann bekam ich dann Medikamente, die mir helfen sollten, mich besser zu konzentrieren & ruhiger zu werden. Erst als ich etwa 12 war, fing ich an, mich mehr damit zu beschäftigen, was das für Tabletten waren und habe sie öfter (in Absprache mit meiner Mama) bewusst nicht genommen, um zu testen, ob ich ohne sie klar komme. Mit der Zeit wurde es besser, doch dieses Gefühl von “Irgendwas ist an mir kaputt, sonst müsste ich keine Tabletten nehmen” blieb immer in meinem Hinterkopf.

Tanzverbot

Als ich 4 war, habe ich angefangen zu Tanzen. Ich war schon immer quirlig & tanzen war mein Safe Space. Je älter ich wurde, desto mehr konnte ich durch Musik & Tanzen meine Emotionen verarbeiten. Leider kamen mit der Zeit auch immer stärkere Knieschmerzen, weswegen ich letztendlich auch zum Arzt ging. Kurz nach meinem 15. Geburtstag wurde ich dann operiert und durfte mehrere Monate nicht tanzen. Mittlerweile würde ich sagen, dass das die schlimmste Zeit für mich war. Tanzen war für mich der einzige Weg, mit meinen Emotionen umzugehen, wovon ich in der Pubertät eben sehr viel hatte. Dieses Ventil fiel weg und ich fiel in ein sehr tiefes Loch. Durch das falsche Umfeld, dass diese Schwärze in meinem Leben noch gefördert hat, bin ich immer tiefer gefallen. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich niemandem einen Vorwurf mache, Die Menschen, die damals in meinem Umfeld waren, hatten selbst auch Probleme und konnten die meiste Zeit wahrscheinlich nicht einschätzen, was sie mir antaten.)

Ich möchte keine Hilfe

Depressionen & böse Gedanken bestimmten meinen Alltag, doch ich war Meister darin, alles zu verstecken. Ich habe mich selbst verletzt, hatte Lebensmüde Gedanken und immer weniger oder viel zu viel gegessen. Außer den Menschen, denen ich mich von mir aus anvertraute, wusste niemand, wie es in mir aussah. Da ich aber dauerhaft gereizt und angespannt war, bin ich dauerhaft mit meiner Familie aneinander geraten & habe meine Eltern ganz schön verzweifeln lassen. Irgendwann habe ich mich dann zwar meiner Mutter anvertraut, aber eigentlich auch nur, weil ich von einem Freund unter Druck gesetzt wurde. Ich war schlichtweg noch nicht bereit und habe mich in meinem Schmerzkörper “wohl” gefühlt. Meine Mama war sehr besorgt (verständlich) und hat mir einen Termin mit einer Psychologin organisiert, doch für mich hat es sich so falsch angefühlt, dass ich komplett zu gemacht habe.

Ein Fremder ist ein Freund, den man nur noch nicht kennt

Ein sehr einschneidendes Erlebnis in meinem Leben war meine Zeit bei der Flüchtlingshilfe. Ich habe dort sehr viel Leid gesehen und so viele Menschen kennengelernt, die ich von ihrem Leid befreien wollte. Doch ich selbst war so labil, dass ich mir das alles so sehr zu Herzen genommen habe und teilweise fast dran zerbrochen bin. Zu dieser Zeit habe ich sehr viele neue Menschen in einem kurzen Zeitraum kennengelernt, wodurch auch die Einsamkeit in meinem Innern unterdrückt wurde. Einer der Geflüchteten, den ich heute als meinen Bruder bezeichne, war so voller Zuversicht und Hoffnung auf ein besseres Leben und das, obwohl er selbst so viel Schlechtes erlebt hat.

Es gibt ein Sprichwort, das sagt “man ist die Summe der Menschen, mit denen man sich umgibt” und auch wenn ich glaube, dass man als Betroffener von psychischen Problemen seine Heilung nicht von anderen abhängig machen sollte, bin ich der festen Überzeugung, dass ein positives Umfeld einen eher heilen lässt als ein negatives.

Den Schmerzkörper auf Diät setzen

Mein bester Freund, den ich auch über die Flüchtlingshilfe kennengelernt habe, hat etwas für mich getan, wofür ich ihn zwar am Anfang gehasst habe, aber mittlerweile sehr dankbar bin. Er hat meinen Schmerzkörper nicht weiter gefüttert, indem er mich bemitleidet hat, sondern mir sehr oft Dinge wie ,,Stell dich nicht so an”, ,,Das ist nur halb so schlimm” oder ähnliches gesagt.

Bevor hier Missverständnisse entstehen: JA, eine psychische Störung ist eine ernsthafte Krankheit und sollte auch als solche behandelt werden. Doch der Schmerzkörper des Betroffenen und sein Selbstmitleid sollten meiner Meinung nach ,,Auf Diät gesetzt” werden. Zumindest ist das meine Erfahrung.

Meditation & Selbstliebe

Menschen, die mit sich im Reinen sind, waren mir fremd. Ich kannte es schlichtweg nicht, dass sich jemand so liebt, wie er ist.

Mein Bruder hat mir folgendes Video gezeigt & es rührt mich immernoch zu Tränen.

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Als ich dieses Video zum 3. Mal gesehen habe, habe ich für mich beschlossen, dass ich genau das fühlen will. ,Ich will Licht und Liebe in meinem Leben’, habe ich gesagt und angefangen, dementsprechend zu googlen.

Ich bin auf verschiedene Podcasts gestoßen, unter anderem Laura Malina Seiler & Andrea Morgenstern und habe mit Meditation angefangen. Durch meine Ups & Downs habe ichs leider nicht wirklich regelmäßig gemacht.

Ich? Eine Therapie?!

Dass ich eine Therapie angefangen habe, hatte verschiedene Gründe. Durch meine Stimmungsschwankungen habe ich Menschen, die mir sehr wichtig waren, verletzt & von mir weg gestoßen. Egal wie schlecht es mir ging, ich wollte nie anderen weh tun. Als ich im Anflug der Depression meine damalige Beziehung in Gefahr gebracht habe (also wir uns beinahe getrennt hätten), habe ich für mich endlich den Entschluss gefasst, mir Hilfe zu suchen. Glücklicherweise habe ich auch sehr schnell jemanden gefunden.
Ich hatte sehr viel Glück und habe eine tolle Therapeutin gefunden, deren Therapieansatz genau das richtige für mich war.

Ich berichte hier nur von meiner Therapieerfahrung. Jeder muss für sich die beste Art der Therapie und den richtigen Therapeuten finden.

Die Therapie half mir, einen Weg zu finden, mit meiner Krankheit umzugehen und sie ein Stück weit unter Kontrolle zu bringen. Meine Therapieunterlagen habe ich immernoch zu Hause und wenn ich merke, dass es mir nicht gut geht, nehme ich sie zur Hand, um mich daran zu erinnern, wie weit ich gekommen bin.

Mittlerweile geht es mir die meiste Zeit gut. So gut, dass ich manchen Leuten unbewusst gar nichts von meiner Vergangenheit erzähle. Nicht, weil ich mich dafür schäme, sondern weil es mich nicht mehr einschränkt, weil ich es im Alltag fast vergesse.

Ich schreibe diese Blogpost nicht, weil ich Aufmerksamkeit möchte, sondern weil ich mir mehr Transparenz und Ehrlichkeit wünsche. Ich möchte hiermit zeigen, dass es jeder wert ist, für ein schönes Leben zu kämpfen und dass es jeder verdient hat, Hilfe zu bekommen.

Liebe Grüße

Franzi